Cosmetics DPP – Branchenspezifische Anforderungen

Für die Kosmetikindustrie wird der DPP besondere Anforderungen mit sich bringen, die aus dem Zusammenspiel von ESPR, revidierter Kosmetikverordnung, Chemikalienstrategie und Verpackungsverordnung resultieren. Auf Basis der bisherigen Konsultationsdokumente und Branchengespräche lassen sich folgende spezifische Datenanforderungen für einen Cosmetics DPP ableiten:

 

1. Inhaltsstoff-Transparenz

Weit über die bisherige INCI-Kennzeichnungspflicht hinaus wird der Cosmetics DPP voraussichtlich folgende Daten umfassen:

 

  • Vollständige Inhaltsstoffliste mit CAS-Nummern und prozentualen Anteilen (für Behörden)
  • Herkunftsangaben für natürliche und synthetische Rohstoffe
  • Deklaration besonders besorgniserregender Stoffe (SVHC nach REACH)
  • Tierschutzstatus: Roh- und Fertigprodukttests
  • Allergenangaben über die gesetzliche Mindestliste hinaus

 

1.1 Verpackungsdaten

Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verpflichtet Hersteller ab 2030 zu einem Mindestrecyclinganteil und zur Deklaration von Verpackungsmaterialien. Diese Daten fließen direkt in den DPP ein:

 

  • Materialart und -zusammensetzung jedes Verpackungselements (Primär, Sekundär, Transport)
  • Recyclingfähigkeit und empfohlener Entsorgungsweg
  • Anteil an Recyclingmaterial (PCR – Post-Consumer Recycled Content)
  • Angaben zu Refill- und Rückgabesystemen

 

1.2 Ökologischer Fußabdruck

Kosmetikhersteller müssen zunehmend den ökologischen Fußabdruck ihrer Produkte quantifizieren. Der DPP wird als standardisiertes Format zur Kommunikation dieser Daten dienen:

 

  • Produkt-Carbon-Footprint (PCF) nach ISO 14067 oder PEF-Methodik
  • Wasserfußabdruck bei wasserintensiven Produkten (Shampoos, Lotionen, Cremes)
  • Anteil an Inhaltsstoffen aus biologischem Anbau / zertifizierter nachhaltiger Landwirtschaft
  • Transportemissionen entlang der Lieferkette

 

 

Cosmetics DPP Knowledge Hub – Ihre Wissensquelle

Der Cosmetics DPP Knowledge Hub – eine gemeinsame Initiative von transpareo.com, CosmeticAnalysis.com und portal.cosmetics-dpp.com – bündelt das gesamte regulatorische, organisatorische und technische Wissen rund um den digitalen Produktpass für die Kosmetikindustrie. Besuchen Sie unsere Portale für aktuelle Rechtstexte, Implementierungsleitfäden und Beratungsangebote.


Handlungsempfehlungen für Kosmetikhersteller

Angesichts des regulatorischen Drucks und der verbleibenden Vorbereitungszeit empfehlen wir Kosmetikherstellern, folgende Schritte einzuleiten:

 

1. Sofortmaßnahmen (2026)

  • Regulatorisches Monitoring: Einrichtung eines internen Frühwarnsystems für neue EU-Rechtsakte und delegierte Verordnungen im Bereich ESPR und Kosmetik

  • PIF-Digitalisierung: Umstellung der bestehenden Produktinformationsdossiers auf ein digitales, strukturiertes Format als DPP-Vorbereitung. Empfehlenswert direkt mit eine DPP-System beginnen und dann entsprechend weiterentwickeln.

  • Daten-Audit: Erhebung aller produktbezogenen Daten entlang der Lieferkette und Identifikation von Datenlücken

  • Lieferantenmanagement: Einbindung der Rohstofflieferanten in Nachhaltigkeits- und Transparenzprogramme

 

2. Mittelfristige Maßnahmen (2026–2027)

  • DPP-Pilotprojekte: Implementierung eines freiwilligen digitalen Produktpasses für ausgewählte Produkte als Lernprojekt

  • Systemauswahl: Evaluation und Auswahl geeigneter Software-Plattformen für DPP-Management

  • Nachhaltigkeitsmessung: Aufbau von Methoden zur Messung des CO₂-Fußabdrucks und anderer Nachhaltigkeitsindikatoren

  • Stakeholder-Schulung: Training von Einkauf, Produktentwicklung und Marketing im Umgang mit DPP-Anforderungen

 

3. Strategische Positionierung

Hersteller, die den DPP nicht als Compliance-Bürde, sondern als strategische Chance verstehen, werden von erheblichen Wettbewerbsvorteilen profitieren. Transparenz über Inhaltsstoffe, Nachhaltigkeitsleistungen und Herkunft schafft Vertrauen bei Verbrauchern und Händlern gleichermaßen.


Fazit

Der Europäische Green Deal und der Digitale Produktpass stellen die Kosmetikindustrie vor eine der größten regulatorischen Herausforderungen ihrer Geschichte. Gleichzeitig bieten sie eine einmalige Gelegenheit, Transparenz, Vertrauen und Nachhaltigkeit als Kern der Unternehmensidentität zu verankern.

Die Regulierung ist komplex und wird sich in den kommenden Jahren weiter konkretisieren. Entscheidend ist, den Transformationsprozess jetzt zu beginnen – mit klarer Datenstrategie, Lieferantenpartnerschaften und dem Willen zur echten Transparenz. Der Cosmetics DPP Knowledge Hub begleitet Sie auf diesem Weg mit aktuellem Wissen, Leitfäden und Werkzeugen.